Jens Neumeister

JENS NEUMEISTER – „Hast Du irgendeine Verbindung zum Tennis?“ „Nö.“ – „Auch nicht das eine oder andere Match im Fernsehen verfolgt?“ „Nö.“ Normalerweise müsste ein Gespräch über Tennis an dieser Stelle enden. Normalerweise dürfte aus dieser Interessenlage vieles erwachsen – nur kein Tennisspieler. Aber: Jens Neumeister spielt Tennis.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung

Irgendwann Ende 2011 ist er einfach mal zur »Tennis-RANCH« gekommen. Wollte mal checken, ob das was für ihn ist. Wollte sich einer neuen Herausforderung stellen. Basketball sagte ihm nicht zu, im Internet war er auf das Angebot im westfälischen Waltrop gestoßen. Seitdem spielt Jens Neumeister Tennis – und das gar nicht schlecht. Die notwendige Geschwindigkeit hat er schon jetzt. Und das, obwohl er auf dem roten Aschenrechteck derzeit noch im Straßenrollstuhl unterwegs ist. Es lohnt sich also auf jeden Fall, mit dem gelernten Bürokaufmann weiter über Tennis zu sprechen.

Inkompletter Querschnitt ändert alles

„Was meinst Du, musst Du nun noch trainieren?“ „Vieles. Wie schlage ich den Ball, dass er drüben ankommt. Wie bewege ich mich, wenn der Ball auf mich zukommt…“ Probleme, vor denen die meisten Tennisspieler zu Beginn ihrer Karriere stehen, nicht nur die im Rollstuhl. Nicht immer geht die gelbe Kugel tatsächlich auf die andere Seite des Feldes. Manchmal – so wie in Jens‘ Fall – landet die Filzkugel an der Decke oder schmettert gegen eine Lampe. Doch das sind Ausreißer, das Talent am Ball ist bei ihm zweifellos vorhanden. Schließlich hat Jens früher Fußball gespielt und Leistungschwimmer war er auch. Eben ein sportlicher Typ. Bis 1992. Beim Spiel unter Freunden mit einer Waffe löst sich ein Schuss und verletzt Jens‘ Wirbelsäule. Inkompletter Querschnitt, aus Fußball und Schwimmen werden Krankengymnastik und Übungen im Fitnessstudio.

Jens steht für »101 Prozent«

„Eigentlich habe ich mich der Sache gleich angenommen“, sagt Jens rückblickend. Rollstuhlsport meidet er jedoch, 20 Jahre lang. Dann hat er die Nase voll davon, alleine im Fitnessstudio zu ackern. Jens, der wie sein Lüner Rolli-Tenniskollege Kai Eickler die USA mag, sucht Sport in Gesellschaft und findet – Tennis. Als Anfänger, vollkommen unbeleckt. Aber mit Ehrgeiz. Wenn er etwas mache, sagt Jens über sich selbst, gebe er 101 Prozent. Zeit also, die letzte große Sportfrage zu stellen: „Hast Du Ziele im Tennis? Turniere oder so?“ „Nö, ich bin schon 37.“ Stimmt – aber vielleicht sollte man über diesen Punkt noch einmal mit ihm reden. Chris hat mit Jens noch was vor. Oft genug kann Jens ein hohes Tempo schon mitgehen, der Lohn: tolle Ballwechsel. „Da will ich hin“, gibt Jens das Ziel selbst vor. Das Motto des Schweigers. »Nicht reden, machen…«