Elena Brandt

ELENA BRANDT – Elena Brandt ist erst 23 Jahre alt und doch schon eine Veteranin. Eine »Grande Dame« des Tennissports. Denn die Hammerin jagte schon im Rollstuhl dem gelben Ball hinterher, als man an die »Tennis-RANCH« noch gar nicht dachte. Und selbst die ist bereits seit Mitte 2014 wertvolles Geschichtsgut. Damals trainierte Christoph Kellermann noch im benachbarten Cappenberg mit Behinderten. Irgendwann erschien Elena Brandt auf der Bildfläche. Marie-Louise Wißmann, ihre Freundin, hatte gemeint: „Komm doch mal mit.“ Elena kam, sah – und traf keinen Ball.

Kein Bock mehr auf »Kinderspiele«

„Vielleicht war die Geschwindigkeit des Spiels für mich zu hoch“, vermutet die junge Dame mit Spina bifida und Hydro-cephalus rückblickend. Vor der ersten Stunde auf dem Court hatte sie Rollstuhlsport nur in einer Gruppe gemacht, »Fischer, Fischer – wie tief ist das Wasser« und solche Sachen. „Mehr oder weniger Kinderspiele“, sagt Elena heute. Ein Kinderspiel ist Tennis für die Hammerin zunächst nicht. Der Schläger, er will während der ersten Trainingsstunde einfach nicht im richtigen Moment zum Ball kommen.

Der Schrei, der durch Mark und Bein ging…

Vielleicht wäre Tennis für Elena Brandt also nur ein kurzes Intermezzo geblieben – wenn da nicht dieser Schrei gewesen wäre. Ein mark-erschütternder Schrei. Ein Schrei, der bis heute nachhallt. Dieser Schrei stammte von Elena und sorgte bei Trainer Christoph Kellermann zunächst für große Verunsicherung. Hatte das Mädchen Schmerzen? War etwas schiefgelaufen? Hatte er, als Rollstuhltenniscoach damals noch recht unerfahren, einen Fehler gemacht? Hatte er nicht, im Gegenteil. Elena hatte nach zig Versuchen doch noch einen Ball getroffen. Der Schrei, ein erlösender Freudenschrei. Seither ist Elena buchstäblich am Ball geblieben. Die Vorhand, sagt sie, sei inzwischen ihre Stärke. Manchmal gebe es allerdings Tage, da gelinge nicht viel. Alle Sportler kennen wahrscheinlich diese Tage.

Persönlicher Gast von Nicolas Kiefer

Schreie bleiben heutzutage allerdings aus. Erfolg oder Niederlage, Elena nimmt’s gelassen. Wichtig ist ihr, Spaß zu haben. Mit ihren Mitspielern und mit Trainer Chris. Der, lobt Elena, sei lustig. Lustige Leute muss man bei Laune halten. Dafür ist Vater Egbert Brandt zuständig. Er versorgt den Chefcoach als fleißiger Sammler mit Bällen oder mit den geliebten Marzipankartoffeln. Der Coach dankt es ihm auf seine Weise, nennt Papa Brandt den »doofen Egbert«. Nur weil dieser dem Trainer einmal – angeblich aus Versehen – heißen Kaffee über den Schoß gekippt hat. Die Marke des Bohnengetränks – ausgerechnet »Douwe Egberts«. So gehört Elena zur jungen Dame der ersten Stunde, bis heute ist sie dem Tennissport treu geblieben. Darüber hinaus nimmt »Elli« auch immer wieder gerne an Rolli-Camps in Nordrhein-Westfalen teil. Die Reisen, das Spiel und vor allem die Geselligkeit bereiten ihr einen Riesenspaß. Heute wie zu Beginn ihrer »Tenniskarriere« im Jahre 2006. Unvergessen bleibt für sie sicher die persönliche Einladung zu den GERRY WEBER OPEN durch keinen Geringeren als Tennis-Ass Nicolas Kiefer. „Sein ganz persönlicher Gast bei diesem tollen Turnier zu sein, war etwas Unbeschreibliches!“