Corinna Hnat

CORINNA HNAT – Corinna Hnat ist eine richtige gute Schlittschuhläuferin. Damals, in Rumänien. Es würden in einem Tennismagazin wohl keine weiteren Zeilen folgen, hätten nicht schon die junge Corinna zwei weitere Dinge ausgezeichnet: Sie ist ehrgeizig und pragmatisch. Sport soll der jungen Frau auch im Sommer erhalten bleiben. Wintersport ist in den warmen Monaten des Jahres allerdings so eine Sache, damals, in Rumänien. Also muss ein Sommerersatz her, am liebsten ein Ballsport.

Unfall stoppt sportliche Ambitionen

Volleyball, ein Teamsport, sagt ihr nicht zu. Pragmatisch ausgedrückt: Was nützt der beste Spielzug, der größte Ehrgeiz – wenn der Mannschaftskollege den nächsten Ball versemmelt? Also fällt die Wahl auf Tennis, eher ein Solistensport. Lange bleibt sie dieser Entscheidung treu – bis frostige Zeiten zurückkehren. Gesundheitliche Probleme drängen den Sport in Corinnas Leben, das sich mittlerweile in Deutschland abspielt, in den Hintergrund. Ein Unfall stoppt schließlich jäh alle sportlichen Ambitionen. Sommer oder Winter, diese Frage scheint fortan ohne Belang zu sein. Das Schicksal macht aus der Läuferin auf Eis und Sandplatz eine Rollstuhlfahrerin. Tennis im Sitzen – für Corinna unvorstellbar. An dieser Meinung ändern später auch kurze Ballwechsel mit Tochter Laura nichts, die in die elterlichen Fußstapfen auf dem Court tritt. „Als Laura noch sehr klein war, habe ich noch Punkte gegen sie gewonnen. Das gefiel ihr dann gar nicht“, erinnert sich die Mutter lachend. Das erste, kleine sportliche Comeback der Corinna Hnat. Die sieht sich fortan dennoch eher in der Zuschauerrolle, wenn die Kugel fliegt. Rollstuhltennis, diese Option kommt ihr nicht in den Sinn. „Ich bin, warum auch immer, gar nicht auf diese Idee gekommen.“

2014 zurück auf dem Tennisplatz

Es ist schließlich erneut ein Sommer, der alle bisherigen Überzeugungen ins Wanken bringt: 2014 betritt, besser: befährt Corinna Hnat beim TuS Ickern nach langen Jahren der Abstinenz wieder einen Tennisplatz. Unsicher. Skeptisch. Ist das alte Potenzial noch vorhanden? Zumindest der Ehrgeiz erwacht schnell. Dieser Wunsch, den gelben Ball so rüberzubringen, dass der Gegner ihn nicht erreichen kann. Der Mann gegenüber heißt Christoph Kellermann, der Gegner ist allerdings zunächst zugegebenermaßen im eigenen Feld zu finden, in Gestalt von vier Rädern. Tennis im elektrischen Rollstuhl. Links den Schläger, rechts den Joystick. Klingt simpel und Kräfte schonend, verlangt jedoch Köpfchen und zwei filigrane Hände. „Ich darf nicht zu viel und nicht zu wenig Gas geben, muss den Wendekreis beachten und den Spielzug deshalb früh vorausahnen.“ Und schließlich den Ball gut treffen. Was beim Comeback 2014 schnell wieder gelingt, viel besser als gedacht. Corinna trifft die Vorhand, sie liebt, ungewöhnlich für einen Rollstuhlspieler, die Rückhand – und sie bleibt dem weißen Sport seither treu.

Aktiv, seit 2017 sogar in einer Doppelrolle: als Spielerin auf dem Platz und als Sekretärin in der Tennisabteilung des TuS. Spielpläne erstellen, Turniertage betreuen und organisieren. Tennis ist für die 43-Jährige mittlerweile zu einer täglichen Beschäftigung geworden, der sie mit Leidenschaft und Ehrgeiz nachgeht. Im Sommer und im Winter.