Jessica Neunzig

JESSICA NEUNZIG – Bei Jessica Neunzig hat alles mit der Mutter begonnen. Das geht im Grunde vielen Menschen so, wäre also nicht weiter erwähnenswert, wenn es an dieser Stelle um das Wunder der Geburt ginge. Geht es aber nur zum Teil, lediglich die Geburt des Tennisfans Jessica Neunzig soll hier näher behandelt werden. Diese vollzog sich – der Name verpflichtet – in den neunziger Jahren vor dem heimischen Fernseher. Mutter mochte Michael Stich und übertrug diese Begeisterung auf die Tochter. Hat sie den größten Triumph des Mannes aus Elmshorn gesehen, seinen Sieg in Wimbledon? Jessica weiß es nicht mehr genau. Zu lang ist das her. Denn: Vom »Tennisfan« Jessica bis zur »Tennisspielerin« Neunzig war es ein langer Weg. 2009 – das Jahr kann kein Zufall sein – besucht die Spastikerin eine Rehamesse und wird so auf Rollstuhltennis aufmerksam. Konkret danach gesucht hat sie nicht, doch die alte Liebe blüht schnell wieder auf. Die Flimmerkiste genügt ihr fortan nicht mehr. Michael Stich, der Lange aus Elmshorn, ist längst in Tennisrente, der Fan von einst muss und will nun selbst aktiv werden. Sie sucht im Internet und findet die »Tennis-RANCH« in Waltrop-Elmenhorst. Jessica Neunzig ist begeistert. Vielleicht auch, weil »Elmenhorst« ein bisschen so klingt wie »Elmshorn«. Doch das ist reine Spekulation, gesichert ist: 2010 vollzieht sich eine weitere Geburt. Der Tennisfan Jessica Neunzig ist nun Tennisspielerin. Rollstuhltennisspielerin. Passiv vor dem TV oder aktiv auf dem Court – das ist ein himmelweiter Unterschied, völlig klar. Bei Jessica ist indes eines geblieben: der lange Weg. Die 34-Jährige wohnt in Bedburg, das liegt hinter Köln. 128 Kilometer für eine Strecke. Mal ist Jessica anderthalb Stunden unterwegs, manchmal, Staus kennen keine Trainingszeiten, auch drei Stunden. Man kann also sagen: Ein Großteil der Tenniskarriere von Jessica Neunzig findet auf der Straße statt. Anders geht es nicht. „Ein Angebot wie in Waltrop gibt es leider nicht so häufig“, erklärt die Bedburgerin. Also muss sie fahren, doch das stört Jessica nicht: „Ich finde es toll, bei Chris andere Rollstuhlfahrer zu treffen. Das bringt Abwechslung, wir haben sehr viel Spaß.“ Und dann ist da ja noch dieses Spiel mit dem gelben Ball. Ihm hinterherzujagen macht ihr große Freude.