Kai Eickler

KAI EICKLER – Manchmal dauert es eben etwas länger. Eigentlich wohnt Kai Eickler in Lünen-Brambauer. Eigentlich nur rund zwei Kilometer von der »Tennis-RANCH« entfernt. Eigentlich hätte Kai also schon lange Tennis spielen können. Ja, sagt der 29-Jährige, er habe die Geschehnisse auf der »RANCH« immer verfolgt. In der Zeitung, gespielt hat er nicht.

Über die Disco zum Tennissport

Er zögerte, hatte Scheu, auf andere Rollstuhlfahrer zu treffen. Um aktiv zu werden, musste Kai erst nach Dortmund fahren, in die Disco. Dort traf er Markus »Polohunter« Kreutzberger. Dieser, ebenfalls Rollstuhlfahrer, lud Kai spontan ein, doch einfach mal bei Christoph Kellermann vorbeizuschauen. Und so steht Kai Eickler nun seit November 2010 regelmäßig auf dem Tennisplatz. Die Bedenken sind längst dem Spaß am Spiel gewichen. Und wenn Kai Eickler einmal auf dem Platz steht, dann bleibt er auch dort. Er steht in der Vorhandecke, er steht in der Rückhandecke. Er steht an der Grundlinie, er steht am Netz, und Kai Eickler steht gerne auch mal – mit aller Beharrlichkeit im Weg.

Ohne Coca-Cola geht bei Kai nichts

Denn Kai Eickler sucht selbst dann noch die Nähe zu Netz und Grundlinie, wenn er gar nicht mehr dran ist. „Kai!!!“, ruft Trainer Chris dem fahrenden Hindernis dann – leicht gereizt – entgegen. Der Gescholtene antwortet meist unschuldig mit einem langgezogenen „Waas?“ Oder einfach nur: „Voll cool!“ Auf „Voll cool!“ folgt in der Regel der Griff zur Trinkflasche. Coca-Cola muss es sein. Kai liebt die süße Brause. Drei Liter verdrückt er davon – nach eigenen Angaben – pro Tag. Die andere Liebe des Kai Eickler: die Musik. Techno ist seine Leidenschaft. Drei Plattenspieler stehen daheim im Zimmer des Lüners. An ihnen mixt »DJ Spacemaster« Vocals, Bässe und andere Klänge zu neuen Tracks zusammen. Musik entspannt ihn, Musik gibt ihm neue Kraft. Und: Musik trainiert seine Finger. Denn, egal ob Tennis, Musik machen oder Fahrten mit dem Handbike, Kai tut alles, um trotz Multipler Sklerose in Form zu bleiben. „Man muss in Bewegung bleiben“, sagt der Lüner Junge. So kommt es nicht selten vor, dass er mehrmals die Woche unzählige Kilometer mit seinem Handbike runterreißt, gerne streut er hierbei auch mal einen kleinen Unfall ein, fliegt mit 40 Sachen aus der Kurve oder praktiziert seine Kondifahrten direkt vor dem Tennis. Hierüber ist Coach Chris ‚not amused‘.

Unfassbares Talent an der Leinwand

Dass Menschen mit MS ganz Besonderes leisten können, beweist Kai jedoch vor allem auf der Leinwand, beim Malen. Das Talent, sagt Kai, habe er von seinem Opa geerbt. Er malt zum Beispiel das Dortmunder Westfalenstadion – aus der Vogelperspektive. „Von der Seite kann es ja jeder“, behauptet der Künstler. Anderthalb bis drei Monate sitzt er an solchen Werken, malt geduldig die kleinsten Details. Seine Lieblingsmotive stammen aus den USA. New York, der »Big Apple«, hat es ihm angetan. Dreimal ist Kai schon über den großen Teich geflogen. Sein nächstes Ziel: die Route 66. Mit dem Handbike will der Lüner die berühmte Straße aber nicht bezwingen, der Rollstuhl muss reichen. Seine Eindrücke wird Kai später sicherlich auf der Leinwand festhalten. Und diese Bilder, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, werden… »voll cool«.