Lucas Kurth

LUCAS KURTH – Lucas Kurth ist anders. Manchmal schauen ihn die Leute verwundert an, schütteln den Kopf. Andere ätzen: „Wie kann man das nur sein?!“ Sogar in seiner Familie ist der 20-Jährige isoliert. „Ich bin der Einzige, der so ist“, sagt Lucas selbst. Und der junge Mann weiß: Wenn man so ist wie er, dann muss man dumme Reaktionen halt über sich ergehen lassen.

Bayern-Sympathiesant wie sein Coach

Lucas Kurth ist Bayern-Fan – und das mitten im Ruhrgebiet. Ein Problem hat der Oer-Erkenschwicker damit nicht. Damit, nicht für den BVB (Mutter und Bruder), Schalke oder Köln (Vater) zu sein. Denn wenn man wie Lucas das heimische Umfeld einmal verlässt und in die weite (Sport-)Welt hinaus zieht, dann merkt man schnell, dass man eigentlich gar nicht so anders ist. Dass es Leute gibt, denen es genauso geht. Zum Beispiel Christoph Kellermann. Auch der Cheftrainer macht keinen Hehl aus seiner Vorliebe für den Rekordmeister. Das verbindet. Seinem Coach bescheinigt Lucas vielleicht auch deshalb prompt eine »nette Art«. So nett, dass sich der Realschüler gerne von ihm scheuchen lässt. Wohlgemerkt: Die Mutter darf das nicht.

Große Liebe zum Tennis

Längst verbindet Trainer und Spieler aber nicht mehr nur die Liebe zum FC Bayern München, sondern ebenso die Liebe zum Tennis. Obwohl Lucas dieses Spiel anfangs, als er auf der Suche nach einer Sportart für sich war, gar nicht auf dem Radarschirm hatte. Darts schwebte ihm vor. Oder Bowling. Nur leider fand sich kein passendes Angebot in seiner Heimatstadt. Da kam der Tipp einer Bekannten, es doch mal mit Tennis auf der Waltroper »Tennis-RANCH« zu probieren, gerade recht. Skeptisch sei er vor der ersten Stunde gewesen, gibt Lucas zu. Doch dieses Gefühl hielt nicht lange an. „Das hat eingeschlagen wie Bombe. Ich hätte nie gedacht, dass ich nach zehn Minuten schon kleine Ballwechsel mit Chris spielen würde.“ Das Tennis-Feuer ist entfacht.

„Mich hat`s noch gut erwischt!“

„Auf der Vorhand habe ich schon ordentlich Wumms drauf“, berichtet Lucas stolz. Das demonstrierte er auch gleich seinen Mitschülern. An der Maristenschule in Recklinghausen war der Spastiker trotz Rollstuhl weder Besonderheit noch Außenseiter. Integration von Menschen mit Behinderung hatten seit jeher Tradition an dieser Realschule, erzählt Lucas. Doch Lucas Kurth wäre nicht Lucas Kurth, wenn er es nicht trotzdem schaffen würde, irgendwie aus dem Rahmen zu fallen: Der Erkenschwicker ist Linkshänder und damit eine Seltenheit in seiner Klasse. Und – man ahnt es fast – ein Unikat in seiner Familie. Doch wer im Pott tapfer zu den Bayern steht und eine Behinderung meistert („…es gibt schlimmere Fälle, da hat es mich noch gut erwischt“), der kommt auch damit klar. Einer Tenniskarriere mit links steht ohnehin nichts im Weg – man denke nur an den großen John McEnroe. Sollten die Fußstapfen von »Big Mac« dann doch zu groß sein, hat Lucas bereits andere Wunschberufe in petto: Fernseh- oder Radiomoderator. Und wer schon einmal gehört hat, wie viel Lucas auf dem Court lacht und kommentiert, der weiß: Auch das könnte ‚was werden. Sein größter Traum wurde bereits erfüllt. Einmal Roger Federer treffen. Wahr geworden 2014 in HalleWestfalen.