Markus Kreutzberger

MARKUS KREUTZBERGER – Wie spielt man mit einem Behinderten Tennis? Immer brav den Ball zuschlagen, damit der Rollstuhlfahrer die Filzkugel auch ja erreichen kann. Das ist nett – aber vollkommen falsch. Zumindest dann, wenn auf der anderen Seite Markus Kreutzberger steht. Ein Mann, den halb Deutschland nur unter dem Pseudonym »Polohunter« kennt, eine Reminiszenz an seine Zeit als Fahrer eines Polojagenden VW Golf.

Bundestrainer erkennt das Talent

Ein solcher Mann möchte gefordert werden. Der möchte dem Tennisball hinterher flitzen. 2007, bei einer Tennisdemo in Unna, dem Heimatort des Polohunters, erkannte der damalige Bundestrainer Christoph Kellermann das Talent des Westfalen. Da wollte dieser den Schläger eigentlich schon an den Nagel hängen. Zu brav hatte man dem »Hunter« bislang die Bälle zugespielt. Der Jäger war gelangweilt. Doch Kellermann fand den Hebel – und Markus seinen »Drillmeister« – und die Freude am Tennis wieder. „Mir macht das alles unheimlich viel Spaß“, sagt der 36-Jährige heute. Gerne nimmt er dafür die Fahrt von Unna bis nach Waltrop in Kauf. Alleine mit dem Schläger auf einer Seite des Platzes. Ein Kampf »Mann gegen Mann« mag er, das liegt ihm. Auch wenn es mitunter noch ein Kampf »Mann gegen Ball« ist. Oder »Mann gegen Rollstuhldefekte«. Oder »Mann gegen Doppelpartner«.

Fleißigster Rollitennis-Blogger weit und breit

Seine lustigsten und spannendsten Tenniserlebnisse hält Markus Kreutzberger akribisch in einem Blog fest. Im Internet berichtet er einer wachsenden Fangemeinde von diversen Abstimmungsschwierigkeiten, wenn dann doch mal zwei Spieler auf einer Seite des Feldes stehen. Oder von seinen Trainingserfahrungen mit dem Playmate, einer – Hugh Hefner völlig unbekannten – Ballmaschine. Und natürlich schreibt Markus, der von Geburt querschnittsgelähmt (Spina bifida) ist, über seine Erfolge. „Mittlerweile“, zieht Markus Kreutzberger zufrieden Zwischenbilanz, „erreiche ich Bälle, bei denen ich vor Jahren noch gedacht hätte: Das geht doch gar nicht.“ Sein größtes Pfund auf dem Platz: die Geschwindigkeit. Im Rollstuhl macht dem begeisterten Discogänger niemand etwas vor. Legendär sind seine jährlichen Wettrennen gegen Promis bei den »BREAKCHANCE«-Charitys. Ob Ross Antony, Stephan Medem, Hennes Bender, Jürgen Bangert, Tanja Szewczenko, Igor Dolgatschew oder John Doyle – niemand hatte bislang auch nur den Hauch einer Chance. Auf dem Tenniscourt hat diese Schnelligkeit Markus Kreutzberger bereits bis ins Halbfinale des Nümbrechter Rollstuhl-Tennis-Cup katapultiert. Und das soll erst der Anfang gewesen sein: Irgendwann will Markus Kreutzberger »die Weltrangliste rocken«. Dann wird der »Polohunter« zum »Shingohunter«. Shingo? Klar, die langjährige Nummer Eins der Herren-Weltrangliste, der mehrfache Paralympics-Sieger. Der wurde nämlich durch die lustigen Blogs des »Hunters« bei TWEENER.de auf den Deutschen aufmerksam und ist bekennender Fan des Unnaers. Unterdessen sind sich beide auch real begegnet. In Australien. Geschenke und Souvernirs wechseln regelmäßig den Besitzer. Markus Kreutzberger träumt: „Einmal mit Shingo spielen – das wärs!“