Sabine Ellerbrock

SABINE ELLERBROCK – Zu Fuß: Bundesliga. Im Rollstuhl: Weltklasse. So ließe sich, stark verkürzt, die Tenniskarriere von Sabine Ellerbrock zusammenfassen. Ehemals Nummer Eins der Welt, auf Augenhöhe mit Steffi Graf – im übertragenen Sinne. Buchstäblich allerdings mit der Russin Svetlana Kuznetsova. Denn die French- und US-Open-Siegerin hat die 36-Jährige bereits in der Umkleidekabine getroffen. Wohlgemerkt: in Roland Garros. Matches in Südkorea, bei den French Open in Paris, in Wimbledon, in New York oder im fernen Australien. Sabine Ellerbrock ist ganz oben angekommen. Im Rollstuhl. Als die Bielefelderin, damals noch Fußgängerin, mit sechs Jahren Filzball und Schläger für sich entdeckt, ist an diese Karriere nicht zu denken. „Ich war grottenschlecht, phasenweise dicklich und unsportlich“, erinnert sich die Gymnasiallehrerin. Ein Unglücksfall wird zum Schlüsselerlebnis: Die schärfste Konkurrentin holt sich einen Bänderriss; Sabine Ellerbrock wittert ihre Chance, die bis dato unbesiegbare Rivalin endlich einmal zu schlagen. „Trainier ordentlich, dann klappt das“, sagt sie sich. Am Ende klappt es tatsächlich. Es ist die große Zeit von Boris und Steffi. „Mit Tennis kann man Geld verdienen“, merkt Sabine Ellerbrock. Sie gibt Trainerstunden, spielt Turniere und in Damenmannschaften. Die Weltspitze allerdings bleibt fern. Wieder bringt erst ein Unglücksfall den Umschwung, diesmal trifft es die Bielefelderin allerdings selbst. 2007 muss sich die Sportlerin einer Operation unterziehen. „Die Muskelhülle am rechten Unterschenkel war zu klein für den Muskel“, erklärt Ellerbrock. Doch bei dem Routineeingriff läuft etwas schief, zurück bleibt ein chronisch-regionales Schmerzsyndrom (CRPS I) mit Spätfolgen wie einem steifen Fuß. 2009 folgt der Tennis-Neustart im Rollstuhl. 2011 setzt Sabine Ellerbrock schließlich alles auf eine Karte, lässt sich unbezahlt vom Schuldienst beurlauben. „Ein Drahtseilakt“, gibt die nunmehr zweifache Grand-Slam-Siegerin zu, denn leben kann man vom Rolli-Tennis nicht wirklich. Den Thron der Weltrang-liste hat sie ebenfalls bereits erklommen. Mit einer paralympischen Medaille soll es auch irgendwann noch klappen. Auf gegnerisches Verletzungspech hofft Ellerbrock dabei allerdings nicht.