BREAKCHANCE-Memories

Memories…


Überhaupt keine Frage: Die bisherigen »BREAKCHANCE«-Aktionstage haben uns schon viele schöne Momente geschenkt, aber dennoch gibt es den einen oder anderen ganz besonderen Augenblick, den man für immer gespeichert hat. Gern greifen wir für Euch an dieser Stelle tief in unsere Schatztruhe…

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als ich meinen Vater Bruno aus dem Krankenhaus abholen ließ, damit er die Eröffnung des 3. Breakchance-Aktionstages miterleben konnte. Mein Vater lag schwer gezeichnet im Lüner Marien-Hospital, wollte aber unbedingt auf die Tennis-Ranch. Er kämpfte sich gesundheitlich so weit voran, dass die Ärzte und Schwestern auf seinen besonderen Wunsch hin letztlich grünes Licht gaben. Ein ganz großer Moment, meinen Dad am Platzrand sitzen zu sehen. Schon als Coach hat er mir immer wieder eingetrichtert, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Nicht nur in diesem Fall hat er es exzellent vorgelebt. Danke, Dad!“

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als ich am Abend des 28. Mai oben auf der Bühne stand, um unseren 4. Aktionstag zu eröffnen. Man hofft im Vorfeld ja immer, dass viele, viele Gäste kommen, dass die Halle voll wird und dass alle Mühen, die im Vorfeld geleistet wurden, dann auch durch die Besucher und Fans durch deren Teilnahme honoriert werden. An jenem Tag war ich echt geflasht und ein wenig sprachlos, denn ich sah keinen freien Sitzplatz in der Halle. In der Tat hatten wir mit dem Bühnenbild sowie der Hallendeko 2011 neue Maßstäbe gesetzt und erstmals hatten wir es geschafft, dass ein Großteil der Gäste auch nach dem offiziellen Teil noch lange blieb, um eine großartige After-Show-Party zu feiern…”

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als Medienstar Ross Antony im TV-Gespräch mit Uwe Donner aus heiterem Himmel das Zepter übernahm. Eigentlich sollte der TV-Moderator ja die Fragen stellen, doch der einstige Dschungel-König drehte den Spieß urplötzlich um und brachte den sonst so souveränen Donner mächtig ins Schwitzen. Diese lockere Moderation zog sich dann über den gesamten Tag. Ross war bestens gelaunt, alberte nach Herzenslust und drehte Donner mitten im Gespräch die Brille auf halb neun.”

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als mein Freund Gerrit Cziehso mir im Jahr 2010 den offiziellen Charity-Song »Dein Tag« präsentierte. Auch diese Geschichte ist wie die gesamte Initiative irgendwie märchenhaft und rekrutierte sich aus dem Glauben an eine Vision. Ich hätte die Position des Interpreten durchaus auch prominent besetzen können, doch ich wollte bewusst einem lokalen Newcomer die Chance geben, einen Song für Breakchance zu schreiben. Gerrit rechtfertigte dieses Vertrauen und lieferte einen sensationellen Text mit einer unverkennbaren Melodie! Dieser Song weckt Emotionen, auch heute noch, viele Jahre nach der Uraufführung…”

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als die kleine Lotta sich im Rahmen des 2. Breakchance-Aktionstages 2009 nicht an die vorher getroffenen Vereinbarungen hielt. Eigentlich hatte sie für den großen Tag im Vorfeld abgesagt, da sie nach einer sehr schwierigen OP eine lange Reha vor sich hatte und zwingend liegen musste. Ich erinnere mich genau: Ich hielt gerade die Begrüßungsrede und stellte unsere Rollstuhlfahrer vor, als ich im Augenwinkel plötzlich ein »mobiles Bett« wahrnahm. Es war Lotta, die es sich trotz ihrer unglaublichen OP-Strapazen nicht hatte nehmen lassen, dem Aktionstag beizuwohnen. Ihre Eltern schoben sie auf den Centre-Court und ich sah mich ‘gezwungen’, meine Eröffnungsrede zu unterbrechen, um Lotta zu begrüßen! Das hat mir sehr viel bedeutet! Erinnern wir uns: Lotta war meine erste Rollitennis-Schülerin und mit ihr ging unser sozial-integratives Projekt auf die Reise…”

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als keine Geringere als Anna-Lena Grönefeld im April 2008 die Terrasse der Tennis-Ranch betrat. Anna war nach Andreas Maurer der zweite Promi, der im Rahmen unserer Aktionstage auf unsere Anlage kam! Das war schon ein ganz besonderer Moment. So richtig glauben konnte ich es nicht. Anna besuchte uns kurz vor ihrem lang ersehnten Comeback auf der Profitour. Nur wenige Monate nach dem Besuch bei uns stand sie im Achtelfinale der US Open und war wieder die Nummer Eins in Deutschland. Ich hatte es ihr prophezeit, dass ihr Stern auf der ranch wieder aufgehen würde. Sie schmunzelte, verbunden mit der vagen Hoffnung, dass ich Recht behalten würde. Ich sollte Recht behalten. Ein Jahr später kam Anna wieder auf die Ranch. Nach ihrem Aus in Barcelona griff sie zum Hörer und sagte: »Ich bin frei – wann soll ich kommen?« – Danke, Anna! Du bist eine tolle Frau – mit einem großen Herzen…”

Unvergessen ist der Augenblick,

„…als die beiden Soap-Stars Tanja Szewczenko und Igor Dolgatschew (»Alles was zählt«) 2008 die Ranch rockten. Beide fühlten sich inmitten der vielen Rollifahrer sowie auf unserer Anlage generell so wohl, dass sie den ganzen Tag über bei uns verweilten. Tanja und Igor, aber auch die anderen Soap-Stars, zeigten sich sehr volksnah und wussten, weshalb sie gekommen waren. Sie haben sich sehr mit den Rollstuhlfahrern und Kindern beschäftigt, Igor blieb sogar bis weit nach Mitternacht, spielte den ganzen Tag Tennis und Fußball, schrieb Autogramme, tanzte und schien nicht müde zu werden. Dann des Rätsels Lösung: einer seiner besten Freunde ist ebenfalls Rollstuhlfahrer, von daher wisse er, was es bedeutet, da zu sein und Unterstützung zu bieten. Danke, Tanja und Igor!”


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Hans Stephan

Nachruf Hans Stephan † 2018


Lieber Hans.

Auch wenn man seit geraumer Zeit irgendwie immer mit dieser schlimmen – weil endgültigen – Nachricht rechnen musste, so schlug die Meldung, dass Du uns verlassen haben sollst, wie eine Bombe ein. Vor allem, weil wir beide in jüngster Vergangenheit aus den verschiedensten Gründen nicht mehr jene vielfältigen Berührungspunkte hatten, die uns über viele Jahrzehnte immer wieder zusammenführten.

Rückblickend würde ich Dich als echtes »Unikum« bezeichnen. Als Mensch, als langjähriger Funktionär auf Bezirks- und Stadtebene und als Tennisspieler sowieso. Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte, gegen Dich spielen zu dürfen, der weiß, wovon ich rede. 1983 hast Du mir in meinem allerersten Medenspiel die Leviten gelesen. Mit Deinem Verein Lüner SV warst Du beim Ruderclub Hamm zu Gast. Ich spielte dort in der dritten Herrenmannschaft an Position Sechs. Es war – wie bereits erwähnt – mein erster Einsatz auf Herrenebene. Ein Einsatz, den ich nie vergessen werde. Dein Auftritt war exakt so, wie es mir mein älterer Bruder, der mit Dir gemeinsam beim Lüner SV aktiv war, prognostiziert hatte, als er hörte, dass ich gegen »Doc Stephan« spielen müsse: es erwartete mich in der Tat ein mit Draht geflickter Holzschläger, die gerissenen Saiten ebenfalls mit Draht fixiert, die Strickjacke mit den Ärmeln um die Hüfte gebunden und eine Technik, die einen 16-jährigen »Haudrauf« nach dem Warmspielen eigentlich nur zu einem Schluss kommen lassen konnte: „Halbe Stunde – inklusive Warmspielen!” Das Ergebnis ist bekannt: 6:0, 6:7, 0:6 – aus meiner Sicht. Was habe ich geflucht. Im ersten Satz hattest Du meinem Juniortennis nichts entgegenzusetzen, ab dem zweiten Satz gabst Du den Bällen mit Deiner unnachahmlichen und unorthodoxen No-Look-Technik einen Effet, der mir und allen anderen bis heute unerklärlich ist.

Auf aktiver Ebene sollten wir uns allerdings noch einmal auf dem Platz gegenüberstehen. Du hattest Dich gerade halbwegs mit den Folgen eines bösen Schlaganfalls arrangiert und Deine liebe Frau überredete Dich, Tennis doch mal im Rollstuhl auszuprobieren. Als ich sagte „Hans, Zeit für eine Revanche und die optimale Gelegenheit, endlich eine vernünftige Schlagtechnik zu erlernen”, hast Du geschmunzelt. Den Stuhl konntest Du leider nicht mehr selbst bewegen. Aber Deinen Schlagarm. Im Laufe der folgenden Wochen schafften wir es, den Ball im T-Feld oder als Volley-Duell knapp 20 Mal über das Netz zu befördern. Diese großartige Leistung forderte Dir leider viel zu viel geistige und körperliche Energie ab. Aber Deine Frau ob Deines Comebacks mit Tränen in den Augen am Netzpfosten stehen zu sehen, war alle Mühen wert. Die Stunden mit Dir auf dem Court haben mir viel bedeutet. Und über den Inhalt Deiner Trinkflasche Samstagsmorgens um 11 Uhr decken wir zwei den Mantel des Schweigens. Ich kann Dir aber versichern, dass ich mit meinen Betreuern im ureigensten Interesse einen ähnlichen Deal ausgehandelt hätte.

So bist Du also nun von uns gegangen. Hast Dein Leben lang gekämpft. Als Mensch, der bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad quer durch Lünen von A nach B geradelt ist, als Funktionär um Gerechtigkeit und Ordnung in unserem schönen Sport und als Spieler, dem der fieseste Schlag gerade fies genug war, um den Gegner aus der Balance zu bringen.

„Zwei Pils, bitte. Eins auf Dich und eins für mich.”

Dein Christoph


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Regina Isecke

Nachruf Regina Isecke † 2015


Liebe Regina.

Immer, wenn Du für ein paar Sekunden die Augen zu gemacht und Deinen Kopf leicht in den Nacken geworfen hast, wusste man, dass Du den Moment genießt. Meist waren es Situationen, die relativ unspektakulär waren: ein gutes Essen, ein Glas Dornfelder – oder gute Musik. Am besten live. Unzählige Bilder und Situationen habe ich im Kopf, denke ich an die gemeinsame Zeit mit Dir. Momente, die für immer im Gedächtnis bleiben. Momente, die Dich ebenso kurz und bündig wie treffend beschreiben, Dich, die es gehasst hat zu verlieren – egal in welcher Sportart, gegen welchen Gegner oder bei welcher Art von Spiel.

Ich erinnere mich an einen wunderbsren Spieleabend mit Rollikids, wo Du es als Gastgeberin beim abschließenden Dartsturnier als Selbstverständlichkeit ansahst, Dein Team zum Sieg zu führen. Selten wurde ein charmant geselliger Abend derart abrupt beendet, nur weil Deine Pfeile nicht das angestrebte Ziel fanden, Du unbelehrbare Dickköpfin.

Im Gedächtnis ist auch eine Players Party in Oberhausen, wo Du den mit Abstand schlechtesten Elvis-Imitator der Welt engagiert hattest, dies aber im Leben nie zugegeben hättest. Dein Motto: Niemals eine Schwäche zeigen. Nicht nur bei der Bewertung dieses besagten »Showacts« hattest Du eine sehr exklusive Meinung. Auch sonst oft, Du stolze Besserwisserin. Die Meinung Dritter oder Vierter war für Dich selten relevant. Immer mit dem Kopf durch die Wand.

Auch dem Schicksal wolltest Du Dich nicht ergeben. Satte 44 Jahre lang hast Du der Fügung die Stirn geboten und mit dem Rollstuhl einen Pakt geschlossen. Das alles in der Dir eigenen Art. Damit musste man nicht immer klar kommen. Oft, ja sehr oft, hat es um Dich herum gekracht. Auch meinen Geduldsfaden hast Du zugegebenermaßen mehr als einmal strapaziert. Und doch kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Dich all diese Eigenschaften genau das erreichen ließen, was Du in Deinem turbulenten Leben auf die Habenseite schaffen konntest: unzählige deutsche Meistertitel, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Paralympische Medaillen, hochrangige Funktionärsposten – alles an dieser Stelle aufzulisten würde den Rahmen sprengen.

Für Dein außergewöhnliches Engagement und Deine Repräsentanz des deutschen Volkes wurde Dir im Namen des Bundespräsidenten das »Silberne Lorbeerblatt« verliehen. Viel mehr geht nicht. Natürlich hast Du hierbei stets polarisiert und nicht nur Freunde um Dich geschart. Auch viele Neider hast Du auf den Plan gerufen. Die aber haben Dich in Deinem Tun und Handeln nie blockiert. Eher motiviert. Wie oft warst Du Vorreiterin für richtungweisende neue Dinge, Du Revolutionärin. Oft kopiert, doch nie erreicht. Durchgesetzt hast Du Dich. Gegen alle Widerstände. Du unnachgiebige Rebellin.

Du und ich. Irgendwie vom selben Schlag. Von Beginn an blind vertraut. Wir haben uns gestützt und auch gerieben. Verloren uns kurzzeitig aus dem Blick, aber nie aus dem Sinn. Die vielen Gespräche mit Dir waren stets geprägt von Initiative und haben mich sensibilisiert für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, Du großartige Motivationskünstlerin.

Kurzum: ich habe Dir – auch und vor allem weit über das rote Aschenrechteck hinaus – sehr viel zu verdanken. Der erste Händedruck im Jahr 2004 in Hamm und unser letztes gemeinsames Essen in Köln – unmittelbar bevor Du gingst – werde ich nie vergessen. Bei einem Glas Kölsch hatten wir uns wieder auf den Stand der Dinge gebracht, uns ausgesprochen. Selten zuvor hatte ich Dich so entspannt und aufgeräumt erlebt. Das Radio spielte wie für diesen Moment bestellt deinen Lieblingssong: »Turn back the clocks«. Deine für einige Sekunden geschlossenen Augen verrieten mir die Bedeutung dieses Moments. Das macht mich stolz. Sehr stolz.

Nun hast Du Deine Augen wieder geschlossen. Diesmal für immer. Leise, aufgeräumt und unspektakulär bist Du fort. Das Ganze will noch nicht wirklich in meinen Kopf. Wie es Deine Art war, wirst Du auch auf der unfreiwilligen Zielgerade Deines Lebens Regie geführt haben. Ganz sicher. Denn: niemals hättest Du zugelassen, dass Dich das Schicksal leiden lässt. Ich verneige mich vor Dir und sage DANKE für alles. Ich bin stolz, dass ich Dich ein Stück begleiten durfte.

Dein Christoph


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Claudia Fornefeld

Nachruf Claudia Fornefeld † 2013


Liebe Claudia.

Nun hast Du ihn also verloren, Deinen letzten großen Kampf. Der Gegner war für Dich kein Unbekannter. Auch hätte er mächtiger nicht sein können und doch hast Du ihm in den vergangenen neun Jahren mehrfach die Stirn geboten. Auf jedes Break hast Du ein Re-Break folgen lassen, doch zum Schluss hat die Kraft offenbar nicht mehr gereicht. Aber wer Dich kennt, der weiß, dass Du auch in diesem Kampf ganz sicher keinen Ball verloren gegeben hast. Wie es Deine Art war, hast Du immer an Deine Chance geglaubt. Wer Dich auf dem Platz besiegen wollte, der musste – um sicher zu gehen – jeden Punkt zweimal machen. Dein unfassbarer Ehrgeiz, Deine unbändige Lebensfreude, Deine unerschütterliche Zuversicht und Dein gnadenloses Selbstvertrauen – all dies waren die Garanten, dass Du trotz aller Schicksalsschläge immer wieder den Weg zurückfinden konntest. Nun bist Du schon mal vorgegangen und für eine Weile werden wir uns nicht sehen. Natürlich macht uns das alle sehr traurig. Gleichwohl denke ich just in diesem Moment an die vielen schönen Augenblicke, die ich mit Dir erleben durfte.

Als erstes habe ich die Farbe Pink vor Augen, wenn ich an Dich denke. Dein Lebensmotto: »Think Pink! – Denke positiv!« Ich denke an die Trainingsmatches, in denen ich mich im Rollstuhl mit Dir duellierte und die ich allesamt gnadenlos verlor. Ich denke an die Stoppbälle, die du reihenweise spieltest, wohl wissend, dass an meinem Stuhl beide Reifen platt waren. Ich denke an die legendäre »Fornefeld-Faust«, die Du nicht selten auch bei einem glücklichen Netzroller als Signal auf die gegnerische Seite schicktest. Ich denke an die vielen guten und langen Gespräche, aus denen ich viel Positives für mein eigenes Leben ziehen durfte. Und ich denke an unser letztes Treffen. Gemeinsam mit Kollege Müller habe ich Dich am 4. Dezember in der Klinik besucht und wir haben es sehr genossen, mit dir – wenn auch getrennt durch eine Glasscheibe – reden zu können. Mit Videobotschaften Deiner vielen Tenniskollegen konnten wir Dich sichtlich erfreuen. Gelächelt hast Du, hast keine Schwäche gezeigt. Und Du hattest viele Fragen.

Ich hoffe, da wo Du jetzt bist, ist ganz viel Pink!

Dein Christoph


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