Auf nach Köln!

Alle freuen sich auf Köln


WALTROP/KÖLN – Die Waltroper »BREAKCHANCE«-Initiative geht in diesem Jahr neue Wege. Statt einer öffentlichen Rollstuhl-Demonstration mit angehängter abendlicher Party heißt es diesmal »BREAKCHANCE« on Tour! Die fleißigen Rollstuhlaktiven des TuS Ickern folgen am 13. Juli 2019 der Einladung ihres ersten Botschafters Marc-Kevin Goellner, der am Großrotter Hof in Köln-Rodenkirchen Gastgeber des 12. »BREAKCHANCE«-Aktionstages sein wird.

Neben den Rollifahrern sitzen aber auch Partner und Sponsoren mit im Reisebus. „Wir haben uns in diesem Jahr für eine geschlossene Gesellschaft entschieden, um den treuen Sponsoren und Partnern das Rollstuhltennis noch etwas näher zu bringen und mit unseren Rollifahrern intensiv in den Dialog zu kommen“, so Initiator Christoph Kellermann. Mit Andre Begemann und Stephan Medem sind auch die beiden anderen Botschafter der Initiative in Köln dabei, Letzterer bekommt in dem sicher sehr würdigen und familiären Rahmen übrigens auch den diesjährigen, nunmehr neunten »BREAKCHANCE«-Award verliehen.


Photocredit: www.tennisredaktion.de

Vier Fragen an Bege

Vier Fragen an »Bege«


Andre Begemann, aktueller ATP-Professional, vierfacher ATP-World-Tour-Doppelsieger und ehemaliger deutscher Davis-Cup-Spieler, ist für die Waltroper Rollstuhltennis-Initiative »BREAKCHANCE« seit vielen Jahren als Botschafter im Einsatz. »Tennisredaktion.de« hat den sympathischen gebürtigen Lemgoer daheim in Königstein besucht. Im Rahmen einer Homestory ist auch das folgende Interview entstanden.

Andre, Du bist jetzt seit vielen Jahren offizieller Botschafter der Breakchance-Initiative. Soziales Engagement scheint Dir sehr wichtig zu sein…

Ja, sehr wichtig sogar. Ich finde, Tennisprofi zu werden, ist ein absolutes Privileg, Tennisprofi über viele Jahre hinweg zu bleiben, ist ein noch größeres Privileg und gesund zu sein und ein tolles, unterstützendes Team um sich zu haben, ist ein noch viel größeres Privileg. So ist es für mich eine absolute Selbstverständlichkeit, regelmäßig für einen Moment inne zu halten und diese ganzen Dinge zu schätzen. Ich selbst habe auf meinem Weg immer sehr viel Hilfe bekommen und ich möchte – so oft ich kann – etwas zurückgeben. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, wie gut es uns eigentlich geht. Das geht in unserem schnelllebigen Alltag leider oft unter.

Vor drei Jahren hast Du den Breakchance-Award für herausragenden Einsatz im Sinne der Initiative überreicht bekommen. Was bedeutet Dir diese Auszeichnung?

Dass ich den Award vor drei Jahren erhalten habe, war für mich eine große Überraschung. Neben mir gibt es einige aktive Unterstützer der Breakchance-Initiative. Wir alle arbeiten an diesem Projekt seit vielen Jahren. Ich bin nur ein kleiner Teil des Gesamtkonstrukts, aber das bedeutet mir und meinen eifrigen Kollegen wirklich sehr viel.

Im vergangenen Jahr hast Du beim Weihnachtstennis in Ickern mit jedem Rollstuhlfahrer einige Stunden Tennis gespielt. Erzähl uns von Deinen Erfahrungen! Gab es an diesem ganz besonderen Tag den einen, ganz speziellen Moment?

Das Weihnachtsevent ist in unserem Kreis zu einer besonderen Tradition geworden. Wir verbringen jedes Jahr aufs Neue einige wunderbare Stunden miteinander, spielen Tennis, speisen gemeinsam und haben auch immer intensive Gespräche. Natürlich teilen wir dabei auch traurige Momente und Ereignisse, aber das macht uns nur noch stärker. Insgesamt haben wir viel Spaß zusammen und das ist doch was zählt. Den einen, ganz besonderen Moment heraus zu picken, ist wahrscheinlich schwer bis unmöglich. Es ist für mich immer wieder bewundernswert, wie viel Lebensenergie und Mut die Rollstuhlfahrer uns immer wieder entgegen bringen. Wie sie immer wieder das Positive im Leben sehen und neue Herausforderungen ohne zu klagen annehmen.

Glück ist für Dich…

Glück? Das sind für mich zwei verschiedene Dinge. Zum einen geschieht Glück meiner Meinung nach immer zu Recht, denn Glück belohnt in der Regel eine Verkettung positiver Taten. Es erscheint oft aus heiterem Himmel – meist, wenn man es gar nicht erwartet. Und doch geschieht Glück zu Recht. Die andere Art von Glück ist für mich, zufrieden zu sein mit dem, was man hat. Auch wenn der Mensch dazu neigt, im Leben immer nach mehr zu streben. Glück bedeutet für mich aber auch, die Gesundheit zu schätzen zu wissen. Gerade als Profisportler. Meist wissen wir die eigene Gesundheit ja erst dann zu schätzen, wenn wir mal krank oder verletzt sind und uns durch harte Arbeit wieder mühsam zurückkämpfen müssen.


Photocredit: www.tennisredaktion.de

„Der Tennissport verbindet!”

„Der Tennissport verbindet!”


Von Stephan Lamprecht. Ein Gespräch mit dem langjährigen Teamchef – endlich die Chance, eine entscheidende Frage zu stellen: Wann wird endlich ein Rollstuhltennis-Spieler aus Waltrop für das Davis-Cup-Team nominiert? Patrik Kühnen stutzt und überlegt. Aufgrund der kleinen Unterschiede im Regelwerk sei wohl eher ein Spezialteam für Rollstuhlfahrer ratsam, sagt er schließlich. Eine diplomatische und selbstverständlich korrekte Antwort. Nachfolger der legendären »Helden von Göteborg«, zu denen Kühnen 1988 selbst zählte, sind für den einstigen Viertelfinalisten von Wimbledon im aktuellen »BREAKCHANCE«-Kader in der Tat nur schwer auszumachen. Ein großer Fan und Förderer des Behindertensports ist der deutsche Rekord-Davis-Cup-Sieger aus Püttlingen dennoch seit langem.

Patrik, als ehemaliger Davis-Cup-Chef warst Du auf der Bank während der Spiele vor allem für die Motivation der Mannschaft verantwortlich. Wie motivierst Du einen Menschen mit Handicap, Tennis zu spielen?

Tennis ist einfach eine tolle Sportart, die man auch als Mensch mit Handicap sehr gut ausüben kann. Wenn ich unterwegs bin, sehe ich immer wieder Menschen, die Rollstuhltennnis spielen und dabei unglaublich viel Spaß und Freude haben. Toll ist auch, dass über diesen Weg lebensprägende Freundschaften abseits des Platzes entstehen.

Durch die Hannoversche Initiative Aktion Kindertraum hast Du bereits selbst Rollstuhlfahrer trainiert. Wo liegen die elche Unterschiede zum Fußgängertennis?

In der Tat gibt es Unterschiede, zumal die Regeln ja auch angepasst wurden: der Ball darf zwei Mal aufspringen. Die Herausforderung als Trainer besteht vor allem darin, das Training so zu gestalten, dass in erster Linie Spielfreude da ist. Wer Spaß hat, übt diesen Sport auch lange aus. Darüber hinaus sollen Menschen mit Handicap selbstverständlich Erfolgserlebnisse haben, also gute Schläge produzieren. Wie das geht, habe ich selbst mal im Rollstuhl ausprobiert…

Wie erfolgreich war dieses Tennisexperiment im Stuhl?

Die Erfolge waren äußerst bescheiden, muss ich sagen. (lacht) Da war ich wirklich ein bisschen baff. Die Einschränkungen im Bewegungsablauf sind schon enorm. Ich bin damit die ersten Minuten überhaupt nicht zurechtgekommen. Das ist natürlich ein Lernprozess. Aber mir hat dieser Test trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Bewundernswert, mit welcher Ausdauer alle damals dabei waren.

Was hast Du für Dich persönlich aus dieser Aktion mitgenommen?

Ich habe sehr viel Respekt vor den Rollstuhl-Sportlern. Das ist immer eine Herausforderung, wenn jemand sagt: Okay, ich habe ein Handicap und nähere mich einer Sportart wie Tennis an. Das zu ermöglichen, dazu leiste ich sehr gerne meinen bescheidenen Beitrag.

Breakchance macht eben dieses Rollstuhltennis möglich und ist mittlerweile zwölf Jahre alt. Wie lautet da die Motivation des ehemaligen nationalen Teamchefs?

Breakchance ist eine tolle Initiative. Viele Rollstuhlfahrer kommen in Waltrop zusammen und spielen gemeinsam Tennis. Sport verbindet, und wie gesagt: Freundschaften können entstehen. Weiter so!


Photocredit: Jürgen Hasenkopf

Vorhandprobleme

„Bloß keine Vorhand!”


Die Tennisabteilung des TuS Ickern freut sich über ein weiteres neues Mitglied! Moritz Marohn verstärkt seit einigen Monaten die Rollstuhltennis-Abteilung. Der Linkshänder hat nach vierwöchiger Schnupperphase, die er mit großem Engagement und Bravour gemeistert hat, Blut geleckt und will es nun wissen! „Moritz versprüht eine ungeheure Begeisterung für den Tennissport und begeistert uns alle mit seiner lockeren und herzerfrischenden Art“, bilanziert sein Coach, der nach wenigen Trainingsstunden bereits die Stärke des Waltroper Nachwuchsmanns ausgemacht haben will: „Moritz fühlt sich auf der meist ungeliebten Rückhandseite wesentlich wohler! Die Vorhand spielt er noch mit zu viel Kraftaufwand und unnötigem Handgelenkeinsatz!“ Ebenfalls optimiert werden soll der Fitnesszustand des Waltropers. Als erste Maßnahme hat der Coach seinem Schüler die Zigaretten weggenommen. Der sympathische Moritz freut sich darüber: „Dieses Laster ist für mich dank des Tennissports Geschichte!“


Photocredit: www.tennisredaktion.de

Neue Welten entdecken

„Neue Welten entdecken!”


Von Christoph Kellermann. Es ist Donnerstag. Heute ist ist für mich in meinem Heimatverein TuS Ickern wieder Rollstuhltennis angesagt! Für mich ist jedes Treffen mit meinen Rollifreunden etwas ganz Besonderes. Warum das so ist, das will ich Ihnen gerne im Folgenden näher bringen. Vielleicht gelingt es mir, meine Begeisterung für den Behindertensport zu transportieren und Sie für dieses Thema zu sensibilisieren.

»Rollstuhltennis ist Faszination«

…und nur für denjenigen wirklich zu greifen, der es selber einmal ausprobiert oder sich als Trainer bereits mit der Thematik beschäftigt hat. Wer glaubt, nach womöglich jahrzehntelangem Unterricht mit »Fußgängern« bereits alles als Trainer erlebt zu haben, der täuscht sich gewaltig. Mir persönlich hat die Arbeit mit den »Rollis« nach so vielen Jahren als Vereinstrainer eine völlig neue Welt eröffnet. Seit 2005 begleite ich nun den Rollitennissport hierzulande, anfangs in meiner Profession als Sportjournalist, dann schon sehr bald auch als Trainer, einige Jahre gar als Bundestrainer. Ich durfte die Faszination Rollstuhltennis also bereits aus allen möglichen Perspektiven betrachten. »Rollstuhltennis ist Leidenschaft.« Was mir widerfährt, ist eine ungeheure Dankbarkeit seitens der Rollis, die nicht nur jede Menge Lebensfreude gewinnen, sondern mit jeder Stunde gemeinsamer Arbeit auch ein Stückweit mehr in das soziale Leben integriert werden. Dass ich hierbei mithelfen darf, macht mich stolz. Darüber hinaus macht es mich demütig. Gern spiele ich dann auch selbst im Stuhl. Das ist eine wunderbare Erfahrung. Ich bin aber auch dankbar, wenn ich nach einem meiner zahlreichen Selbstversuche wieder aufstehen darf.

Demut, Dankbarkeit, Begeisterung und Leidenschaft – vier Attribute, die vielen Tennistrainern bei ihrer alltäglichen Arbeit an der Basis und vielen Menschen überhaupt mittlerweile meist fehlen. Oft ist dies darin begründet, dass sich die Arbeit auf dem Court in einer gewissen Monotonie erschöpft. Alleine diese Erkenntnis ist schon Grund genug, sich dem Rollstuhltennissport zu öffnen. Mut und Bereitschaft, sich als Mensch und Tennislehrer neu zu definieren sind hierzu allerdings erforderlich. Erst dann ist es möglich, bis an die Grenzen des Machbaren und darüber hinaus gehen.


Photocredit: www.tennisredaktion.de