Ein Sport fürs Leben…

Lucas Kurth
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Ein Sport fürs Leben…

Lucas Kurth ist von Geburt an kör­per­be­hin­dert. Er besitzt eine spas­ti­sche Dis­pa­re­se (Beein­träch­ti­gung von zwei Glied­ma­ßen). Kla­gen tut er nicht. Im Gegen­teil: „Es gibt schlim­me­re Fäl­le“, sagt der mitt­ler­wei­le 22-Jäh­ri­ge, „da hat es mich ver­gleichs­wei­se noch gut erwischt!“ Über­haupt strahlt der Oer-Erken­schwi­cker zu jeder Tages- und Nacht­zeit jede Men­ge Zuver­sicht und Lebens­freu­de aus. „Durch sei­ne Behin­de­rung braucht Lucas beim Schrei­ben ein wenig län­ger, das gleicht er aber durchs vie­le Reden wie­der aus“, scherzt Chris­toph Kel­ler­mann, lang­jäh­ri­ger Bun­des­trai­ner in Sachen Roll­stuhl­ten­nis sowie Ent­de­cker und Trai­ner von Lucas. Bei­de ver­ste­hen sich blind, was nicht nur an ihren Gemein­sam­kei­ten liegt. Bei­de favo­ri­sie­ren sie auf der Tour Roger Fede­rer und bei­de fie­bern sie lei­den­schaft­lich mit dem deut­schen Rekord­meis­ter FC Bay­ern München.

Sport­li­che Lek­tio­nen hel­fen im Alltag

„Ten­nis ist ein gei­ler Sport“, sagt Lucas, der beim Spiel mit der gel­ben Filz­ku­gel Par­al­le­len zum täg­li­chen Leben aus­macht. „Es gibt beim Trai­ning Höhen und Tie­fen. Wie im Leben auch. Das Schö­ne ist, dass ich die Lek­tio­nen, die ich Woche für Woche im Trai­ning in mei­nem Hei­mat­ver­ein TuS Ickern ler­ne, auf mei­nen All­tag daheim und auf die Schu­le über­tra­gen kann. Das hilft mir sehr.“ Da sind zunächst ein­mal die cha­rak­ter­lich unter­schied­li­chen Men­schen, mit denen der jun­ge Roll­stuhl­sport­ler im Trai­ning zu tun hat. „Der eine Trai­nings­kol­le­ge ist bei­spiels­wei­se sehr intro­ver­tiert, der ande­re wie­der­um extrem extro­ver­tiert. Unter­schied­li­cher könn­ten die Per­so­nen, die mit mir dem gel­ben Ball hin­ter­her­ja­gen, nicht sein. Ich selbst gehe ja auch eher aus mir her­aus, zei­ge Emo­tio­nen. Posi­tiv wie nega­tiv. Die unter­schied­li­chen Cha­rak­ter­zü­ge eines Men­schen gilt es beson­ders im Dop­pel­spiel zu beachten.“

Lucas Kurth
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Pro­fes­sio­nel­le Ratgeber

Ähn­li­ches wider­fährt Lucas Kurth mitt­ler­wei­le auch in der Schu­le. Bis man mit dem Nach­barn »warm« wird, dau­ert es manch­mal ein wenig. Man lernt sich ken­nen, tas­tet sich ab und nach einer Wei­le weiß man, ob es Schnitt­men­gen gibt, ob man sich gege­be­nen­falls ergän­zen kann, ob man viel­leicht sogar har­mo­niert. „Ein gutes Dop­pel kann ich bei­spiels­wei­se nur dann ablie­fern, wenn ich Ver­trau­en zu mei­nem Part­ner habe und umge­kehrt. Aber ich den­ke, das geht den Spit­zen­spie­lern nicht anders.“ Guten Rat holt sich Lucas Kurth nicht nur bei sei­nem Coach, son­dern auch bei kei­nen Gerin­ge­ren als Marc-Kevin Goe­ll­ner, And­re Bege­mann und Ste­phan Medem, alle­samt frü­he­re oder amtie­ren­de ATP-World-Tour­spie­ler und Bot­schaf­ter der Icker­ner Roll­stuhl­ten­nis-Initia­ti­ve »BREAKCHANCE«. Auch von sei­nem gro­ßen Idol Roger Fede­rer hat Lucas schon Tipps bekom­men, zum Bei­spiel wie man sich in kri­ti­schen Situa­tio­nen rich­tig ver­hält. „Das war sicher­lich das bis­he­ri­ge High­light in mei­nem Leben“, schwärmt der kom­mu­ni­ka­ti­ve Twen, der im spä­te­ren Berufs­le­ben gern irgend­wann ein­mal medi­al oder poli­tisch aktiv sein möchte.

Anfäng­li­che Skepsis

„Bevor ich mit den Sport, den ich nun so lie­be begann, wuss­te ich anfangs nicht, was mich erwar­ten wür­de. Sport­lich und mensch­lich. Aber nach­dem ich im sport­li­chen Bereich sehr schnell extrem posi­ti­ve Kon­tu­ren zeich­ne­te und sich mei­ne anfäng­li­che Skep­sis rasch in Luft auf­lös­te, habe ich sehr schnell gemerkt, dass sich über den Sport auch wun­der­ba­re Freund­schaf­ten ent­wi­ckeln kön­nen. Coach und Rol­lis unter­neh­men auch abseits der Ten­nis­plät­ze eine Men­ge mit­ein­an­der, pfle­gen pri­vat ein wun­der­ba­res Ver­hält­nis!“ Was der Ten­nis­sport dem begeis­te­rungs­fä­hi­gen Youngs­ter noch mit­gibt, sind Wil­lens­stär­ke und der Ansporn an die eige­ne Per­son, immer ein Stück bes­ser zu wer­den. Die­ses stän­di­ge »Bren­nen« beschei­nigt ihm auch der Trai­ner: „Lucas ver­sucht immer, jeden Ball zu errei­chen, auch wenn die Situa­ti­on aus­sichts­los und der Weg zum Ball schier unend­lich weit ist“, zollt Chris­toph Kel­ler­mann Respekt.

Aus Feh­lern lernen

Die­sen Ehr­geiz hat Lucas Kurth auch in der Schu­le. Der Glau­be an sich selbst hilft ihm auch im Freun­des­kreis, bei­spiels­wei­se bei der Lösung von Kon­flik­ten. Schluss­end­lich lernt man durch den Sport auch den Umgang mit Nie­der­la­gen. „Ich ana­ly­sie­re nach jedem Trai­ning mei­ne Leis­tung. War ich gut? Hät­te ich die eine oder ande­re Sache even­tu­ell bes­ser machen kön­nen? Genau­so ver­fah­re ich unter­des­sen in der Schu­le: Wel­che Feh­ler sind mir in der Klau­sur unter­lau­fen? In wel­chen Berei­chen muss ich nach­le­gen, um bes­se­re Noten zu bekom­men? Wich­tig ist für mich per­sön­lich dabei ein Rat­schlag, den mir mein Trai­ner gleich zu Beginn mit auf den Weg gege­ben hat, als er mein­te, dass ich aus Fehl­schlä­gen oder Nie­der­la­gen immer die rich­ti­gen Schlüs­se zie­hen sol­le. Dar­an hal­te ich mich. Etwas falsch zu machen sei abso­lut nicht tra­gisch, sagt er. So ler­ne man. »Den­sel­ben« Feh­ler aber zwei Mal in Serie zu machen, bedeu­tet hin­ge­gen, wirk­lich einen Feh­ler gemacht zu haben. Der Sport kann einem hel­fen. In allen Lebenslagen.“

 

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