Greta Milk

GRETA MILK – Greta Milk. Diesen Namen sollte man sich merken. Ein gutes Namensgedächtnis ist immer von Vorteil. Dazu später mehr. Zunächst einmal gilt es einfach nur, sich diesen Namen zu merken: Greta Milk. Denn Greta Milk ist auf dem besten Wege, den Thron im Damentennis zu besteigen. So wie einst Steffi Graf. Gemerkt? Stef-fi. Gre-ta. Graf. Milk. Dieselbe Anzahl an Silben, derselbe Rhythmus! Der Gemeinsamkeiten noch mehr: Begeisterte einst Vater Graf „die Brühlerin“ für den weißen Sport, so rührt auch bei „der Waltroperin“ die Tennisbegeisterung von der väterlichen Seite her. Und was die kleinen Wehwehchen angeht, so heißt es bereits jetzt: Advantage, Milk. Rückenleiden ab 30 aufwärts (Graf) treffen auf 27-jährige Erfahrung als Spastikerin (Milk). Klarer Punktsieg, immerhin geht es hier immer noch um Rollstuhltennis. Keine Frage also: Greta Milk ist auf dem besten Weg zum Star. Quasi zwangsläufig.

Denn die echten Stars werden nicht geformt oder am Reißbrett kreiert, sie werden schlicht entdeckt. Scheinbar zufällig. Greta Milk ist entdeckt worden, auf der Straße. Mehr Klischee geht eigentlich nicht. Ob sie nicht Lust habe, Rollstuhltennis zu spielen, sprach sie jemand an. Greta hatte Lust, war ohnehin gerade auf der Suche nach einer sportlichen Betätigung. Badminton kam für sie in Betracht, da stand einem Schnuppertraining auf dem Tenniscourt nichts im Wege.

Das erste Beschnuppern Mitte 2017 zwischen Spielerin und Trainer stellte dann endgültig die Weichen. Die Chemie stimmte auf Anhieb. Milk? Irgendwie klingelte es da in den Ohren von Christoph Kellermann. Milk, diesen Namen – wir sprachen anfangs darüber – hatte er sich gemerkt. Hatte er nicht bereits den Bruder dieses jungen Talents, das ihm da gegenüber saß, trainiert? Und vor allem die ältere Schwester, Louisa? Aber ja! Nur Spötter können nun noch von einer „zufälligen Begegnung“ sprechen. Offensichtlich hatte das Schicksal eindeutig seine Finger im Spiel. Sollte hier nicht womöglich gar eine Tennis-Dynastie einem weiteren Höhepunkt entgegen streben? Ungewöhnlich wäre das nicht im Tennissport. Man denke nur an die McEnroe-Brüder John und Patrick. Oder an Mischa und Alexander Zverev. Bei den McEnroes dominierte der Ältere, bei den Zverevs gilt der Jüngere als das große Talent. Im Hause Milk ist das Rennen offen. Noch. Louisa war gut, aber Greta steht ja auch erst am Anfang ihrer Karriere Vorhand oder Rückhand, Grundlinie oder T-Feld, noch sind Paradeschlag und bevorzugte Spielweise nicht gefunden, aber mit jeder Trainingsstunde wächst die Sicherheit.

Der Spaß am Spiel ist ohnehin längst vorhanden. Talent, Fleiß und Ausdauer waren schon immer gute Voraussetzungen, um es ganz nach oben zu schaffen. Wenn sich dann noch Bescheidenheit und Bodenständigkeit hinzu gesellen, sind die Rahmenbedingungen für große Erfolge nahezu ideal. Nein, Profi wolle sie ja gar nicht werden, sagt Greta. Die 27-Jährige hat ja eigentlich schon alles: Familie, einen Job in einem Seniorenheim und in Hündin Luci eine treue Begleiterin. Ebenso ein zweites Standbein: Sollte es mit der Tennis-Karriere – entgegen jeder Wahrscheinlichkeit – nicht klappen, bliebe ihr immer noch der Gesang als Teil der »Freunde der Musikpraxis Waltrop«. We are the Champions? Ja, sagt Greta, diesen Queen-Gassenhauer hätten die »Freunde« durchaus drauf. Zumindest die Siegeshymne ist somit schon einmal gefunden. Man wird also von ihr hören – irgendwo, irgendwie, irgendwann. Von Greta Milk. Sie werden es noch merken.