Dr. Hans Stephan

Dr. Hans Stephan
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Ein Nach­ruf von Chris­toph Kellermann.


 

Lie­ber Hans.

Auch wenn man seit gerau­mer Zeit irgend­wie immer mit die­ser schlim­men — weil end­gül­ti­gen — Nach­richt rech­nen muss­te, so schlug die Mel­dung, dass Du uns ver­las­sen haben sollst, wie eine Bom­be ein. Vor allem, weil wir bei­de in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit aus den ver­schie­dens­ten Grün­den nicht mehr jene viel­fäl­ti­gen Berüh­rungs­punk­te hat­ten, die uns über vie­le Jahr­zehn­te immer wie­der zusammenführten.

Rück­bli­ckend wür­de ich Dich als ech­tes »Uni­kum« bezeich­nen. Als Mensch, als lang­jäh­ri­ger Funk­tio­när auf Bezirks- und Stadt­ebe­ne und als Ten­nis­spie­ler sowie­so. Wer jemals das zwei­fel­haf­te Ver­gnü­gen hat­te, gegen Dich spie­len zu dür­fen, der weiß, wovon ich rede. 1983 hast Du mir in mei­nem aller­ers­ten Meden­spiel die Levi­ten gele­sen. Mit Dei­nem Ver­ein Lüner SV warst Du beim Ruder­club Hamm zu Gast. Ich spiel­te dort in der drit­ten Her­ren­mann­schaft an Posi­ti­on sechs. Es war — wie bereits erwähnt — mein ers­ter Ein­satz auf Her­ren­ebe­ne. Ein Ein­satz, den ich nie ver­ges­sen wer­de. Dein Auf­tritt war exakt so, wie es mir mein älte­rer Bru­der, der mit Dir gemein­sam beim Lüner SV aktiv war, pro­gnos­ti­ziert hat­te, als er hör­te, dass ich gegen »Doc Ste­phan« spie­len müs­se: Es erwar­te­te mich in der Tat ein mit Draht geflick­ter Holz­schlä­ger, die geris­se­nen Sai­ten eben­falls mit Draht fixiert, die Strick­ja­cke mit den Ärmeln um die Hüf­te gebun­den und eine Tech­nik, die einen 16-jäh­ri­gen »Haudrauf« nach dem Warm­spie­len eigent­lich nur zu einem Schluss kom­men las­sen konn­te: „Hal­be Stun­de — inklu­si­ve Warm­spie­len!” Das Ergeb­nis ist bekannt: 6:0, 6:7, 0:6 — aus mei­ner Sicht. Was habe ich geflucht! Im ers­ten Satz hat­test Du mei­nem Power-Junio­ren­ten­nis nichts ent­ge­gen­zu­set­zen, ab dem zwei­ten Satz aber gabst Du den Bäl­len mit Dei­ner eben­so unnach­ahm­li­chen wie unor­tho­do­xen »No-Look-Tech­nik« einen Effet, der mir und allen ande­ren bis heu­te uner­klär­lich ist.

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Zeit­sprung. Auf akti­ver Ebe­ne soll­ten wir uns näm­lich noch ein­mal auf dem Platz gegen­über­ste­hen. Du hat­test Dich gera­de halb­wegs mit den Fol­gen eines bösen Schlag­an­falls arran­giert und Dei­ne lie­be Frau über­re­de­te Dich, Ten­nis doch mal im Roll­stuhl aus­zu­pro­bie­ren. Als ich sag­te „Hans, Zeit für eine Revan­che und die opti­ma­le Gele­gen­heit, end­lich eine ver­nünf­ti­ge Schlag­tech­nik zu erler­nen”, hast Du geschmun­zelt. Den Stuhl konn­test Du lei­der nicht mehr selbst bewe­gen, aber Dei­nen Schlag­arm. Im Lau­fe der fol­gen­den Wochen schaff­ten wir es, den Ball im T‑Feld oder als Vol­ley-Duell 20 Mal über das Netz zu befördern. 

Die­se groß­ar­ti­ge Leis­tung for­der­te Dir lei­der viel zu viel geis­ti­ge und kör­per­li­che Ener­gie ab. Aber Dei­ne Frau ob Dei­nes Come­backs mit Freu­den­trä­nen in den Augen am Netz­pfos­ten ste­hen zu sehen, war alle Mühen wert. Die Stun­den mit Dir auf dem Court haben mir viel bedeu­tet. Und über den Inhalt Dei­ner Trink­fla­sche Sams­tag-mor­gens um 11 Uhr decken wir bes­ser den Man­tel des Schwei­gens. Ich kann Dir aber ver­si­chern, dass ich mit mei­nen Betreu­ern im urei­gens­ten Inter­es­se einen ähn­li­chen Deal aus­ge­han­delt hätte.

So bist Du also nun von uns gegan­gen. Hast Dein Leben lang gekämpft. Als Mensch, der bei Wind und Wet­ter mit dem Fahr­rad quer durch Lünen von A nach B gera­delt ist, als Funk­tio­när um Gerech­tig­keit und Ord­nung in unse­rem schö­nen Sport und als Spie­ler, dem der fie­ses­te Schlag gera­de fies genug war, um den Geg­ner aus der Balan­ce zu bringen.

„Zwei Pils, bit­te. Eins auf Dich und eins für mich.”

Dein Chris­toph

 


Dr. Hans Ste­phan ver­starb am 16. Dezem­ber 2018.

 

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